Folge 1
Warum dein Content am Anfang nicht funktioniert – und wie du es besser machst
In der allerersten Folge von Waldgeplauder sprechen Natascha und Lukas darüber, wie Unternehmen sinnvoll mit Content Marketing starten können – ohne sich zu verzetteln oder nur Trends hinterherzurennen.
Wir klären:
- Warum viele Unternehmen sofort das Endergebnis wollen (10.000 Follower, virale Reels) – aber nie die Grundlagen schaffen
- Wie du wirklich herausfindest, wer deine Zielgruppe ist, statt ins Blaue zu posten
- Warum Trends oft Reichweite bringen, aber keine Kunden
- Was „echte USPs“ sind – und warum „Qualität“ keiner davon ist
- Wie du deinen Content so aufbaust, dass er Probleme löst statt Likes sammelt
- Warum es besser ist, mit einem einzigen Kanal zu starten, statt überall gleichzeitig präsent sein zu wollen
- Wieso Experimentieren im Marketing wichtiger ist als jedes vermeintliche „Geheimrezept“
Wenn du gerade mit Content Marketing startest oder dein Unternehmen endlich sichtbarer machen möchtest, ist diese Folge der perfekte Einstieg. Leicht verständlich, ehrlich, praxisnah – und ohne Marketing-Blabla. Viel Spaß beim Reinhören! 🌲🎧
Das Transkript der Folge
Lukas:
Wir starten mit unserer ersten Podcast-Aufnahme. Aller Anfang ist schwer und ich glaube, darum haben wir auch das erste Thema für diese Folge so festgelegt, wie man denn so mit Content-Marketing starten kann. Weil uns begegnet das ganz häufig, in unserer täglichen Arbeit, so dass Kunden auf uns zukommen und sagen, okay, ich würde jetzt was machen, wie gehen wir dann am besten ran. Und dann, meistens schon bevor wir starten, haben wir irgendwelche Sachen, die uns auffallen, die nicht so ganz optimal laufen, sagen wir mal. Und deswegen gehen wir heute mal durch, wie man mit Content-Marketing starten kann und was wir so mit der Zeit gelernt haben.
Natascha:
Genau, im Endeffekt ist es ja so dieser schmale Grat zwischen Aktionismus und Strategie. Auch wir haben jetzt hier für unsere erste Aufnahme uns schon vorbereitet, aber ich glaube, man hätte hier auch definitiv noch mehr machen können. Wichtig ist, dass wir ein Grundframework haben, in dem wir uns dann einfach an unser gewünschtes Ergebnis annähern und genau das probieren wir hier auch. Und wollen euch einmal erklären, wie das für euch funktioniert und wie ihr das für euer Produkt oder eure Dienstleistung umsetzen könnt. Aber Lukas, warum geht es denn vielen so, dass sie irgendwie direkt ja keine Ahnung mit dem Endergebnis starten wollen und gar nicht so sich diese Gedanken vorher machen?
Lukas:
Ich glaube, dass viele einfach ein bisschen zu sehr, also ich finde es gut, wenn man erstmal startet, auch vielleicht ohne sich da große Gedanken gemacht zu haben, sondern dass man einfach mal loslegt und dann kann man noch ein bisschen optimieren. Aber ich denke, viele, wenn es gerade so ums Content-Marketing geht oder auch was ich ja sehe mit Reels und Social Content und so, ist, dass die Leute, die großen Influencer sehen, irgendwelche anderen großen Marken sehen, die das seit Jahren machen und sehen, okay, die haben 10.000 Follower, 100.000 Follower, so, da will ich auch hinkommen, zack, das will ich auch haben. Aber dass man da erstmal, sag ich mal, die Erwartung so ein bisschen umswitchen muss und sagen, okay, man hat jetzt nicht über Nacht 10.000 Follower, sondern das dauert halt ein paar Jahre oder wenn man, also wenn man nicht gerade viel Glück hat und irgendein krasses viralen Hit hat oder so. Und dass man erstmal sich kleine Ziele steckt und erstmal loslegt und dann noch ein bisschen, sag ich mal, optimiert. Und im Optimalfall holt man sich natürlich noch ein bisschen Hilfe mit rein, dass man diese ersten Stolpersteine noch ein bisschen schneller umgehen kann.
Natascha:
Ich würde dir zum Teil zustimmen, weil also klar, Anfangen ist immer gut und es senkt auch die Hürde dann weiterzumachen. Gleichzeitig gehen ja auch einfach unglaublich viele Ressourcen verloren, wenn ich halt komplett ohne Strategie oder ohne Vorstellung von dem, wen oder was ich erreichen möchte, arbeite. Also ich bin da der Meinung, dass wir immer so ein bisschen Strategiearbeit machen müssen. Klar, es braucht nicht so irgendwie ein wochenlangen Strategie-Workshop für jede Marketingmaßnahme. Gerade wenn wir aber halt mit Content-Marketing neu starten, dann halte ich es für sinnvoll, dass wir hingehen und sagen, okay, wir müssen uns halt tatsächlich die Gedanken machen, wen wollen wir überhaupt erreichen und was wollen die Leute auch gerne konsumieren. Und was für Content bringt uns vielleicht halt auch wieder ner Conversion näher. Weil was ja so in meiner Beobachtung ganz oft passiert ist, dass wir dann Content zu Unterhaltungszwecken machen, indem dann irgendwie die Leute halt irgendwelchen Trends folgen und dann halt doch tanzen oder sowas. Und das ist sicher lustig und unterhaltsam. Gleichzeitig stellt sich mir dann die Frage, hat es denn tatsächlich irgendwie einen Einfluss auf dein Geschäft oder ist es dann einfach nur Reichweite, die aber halt gar nichts bringt de facto?
Lukas:
Das sehe ich tatsächlich ganz häufig, also wenn man Social Media nimmt, da gibt es manchmal, also habe ich einige Accounts, die ich folge, von irgendwelchen kleinen Handwerksbetriebe oder sowas. Und die machen, legen richtig Gas auf Social Media, aber machen dann irgendwelche Trend-Videos, die witzig sind, sag ich mal, die dann 100.000 Aufrufe kriegen oder so, also ein Video. Der Account aber trotzdem nur 1000 Follower, weil es halt bei so ein bisschen, sag ich mal, am Kern vorbeigearbeitet wird. Also wird immer nur geguckt, okay, wir brauchen Aufrufe, Aufrufe, Aufrufe und das ist eine witzige Idee und brauchen ganz viel Aufmerksamkeit. Aber letztendlich merkt man dann, okay, die kriegen ganz viel Aufrufe, aber es bleibt niemand hängen, weil der Handwerksbetrieb irgendwo aus Freiburg kommt und die 100.000 Aufrufe kommen aus Hamburg, Berlin und Düsseldorf. Aber jemand aus Düsseldorf wird nie einen Handwerksbetrieb aus Freiburg irgendwie engagieren. So dass es eigentlich meistens sinnvoll ist, irgendwie, sag ich mal, Content zu machen, der ein bisschen weniger Aufrufe hat, ein bisschen mehr Strategie dahinter hat, so dass er vielleicht auch lokal ein bisschen besser ausgespielt wird. Und aber dann die Zielgruppe erreicht, die es auch erreichen soll und nicht einfach nur Hauptsache viele Menschen.
Natascha:
Wie kann ich denn jetzt rausfinden, wer meine Zielgruppe ist? Also das ist ja tatsächlich, ich habe vielleicht, wenn ich ein Unternehmen habe, hoffentlich so eine eigene Vorstellung von meiner Zielgruppe und wen ich ansprechen möchte, wie finde ich denn jetzt raus, ob das wirklich auch die Menschen sind, die potenziell mein Produkt kaufen würden?
Lukas:
Ich mag das immer gerne, also ich denke, wenn man sich die Frage stellt, hat man wahrscheinlich schon ein paar Kunden, was ich immer ganz gern mache oder das mache ich immer, sag ich mal, so in regelmäßigen Abständen, dass ich mir angucke, wie sehen meine Kunden aktuell aus, bin ich mit den Kunden zufrieden, die ich habe? Oder will ich vielleicht in eine andere Richtung gehen und wo sind die, sag ich mal, Schnittpunkte, die meine Kunden so haben? Und daraus leite ich dann, sag ich mal, so ein Avatar ab, wo ich dann sage, okay, den will ich mehr ansprechen oder diese eine Person, diese eine Zielgruppe will ich mehr ansprechen und gucke mir an, was für Painpoints hat diese Zielgruppe oder diese Persona? Und wie kann ich da dementsprechend den Content drauf auslegen? Wie macht ihr das bei euch? Habt ihr da einen ähnlichen Vorgang oder ganz anders?
Natascha:
Ähnlich, also bei uns geht es ja tatsächlich oft darum, dass wir die Kunden unserer Kunden verstehen. Das ist natürlich nochmal, ich sage mal, eine Herausforderung, wobei es bei dir genau gleich, also der Content ist ja für die Kunden deiner Kunden. Und da fließt es aber so ein bisschen wie Stille-Post-Prinzip schon fast, weil ja dann quasi unsere Kunden eine Idee von ihren Kunden haben und wir haben wiederum eine Idee von unserem Kunden. Also es ist halt wirklich, ja, eigentlich Stille Post. Deswegen versuchen wir da immer einen direkten Weg herzustellen und so nah an die Endkunden heranzukommen wie möglich und auch mal mit denen zu sprechen. Manchmal geht es tatsächlich, eben wenn ein Unternehmen schon viele Kunden hat, dass man dann auch mal wirklich mit einem Endkunden spricht und auch da mal nachfragt, hey, was begeistert euch für dieses Produkt, warum kauft ihr das? Was ist das Tolle daran? Und wenn das nicht geht, dann ist tatsächlich der Sales eine unserer liebsten Anlaufstellen, weil die natürlich im sehr engen Austausch immer mit den Kunden stehen und auch oft sehr ungefiltert, deren Probleme zu hören bekommen. Also so, ja, gerade da erzählt man ja, wofür man eine Lösung braucht und was wo der Schuh drückt oder auch so was wie die Customer-Support-Abteilung, wo sich die Leute dann beschweren, wenn was nicht gut funktioniert. Also das sind alles wirklich so Datenpunkte, die extrem wertvoll sind, um rauszufinden. Was für Inhalte helfen denn jetzt unserer Zielgruppe und unseren vielleicht auch schon Bestandskunden tatsächlich weiter?
Lukas:
Ja, ich finde, das ist ein ganz gutes Indiz, wenn man eine Frage immer wieder bekommt, also ich habe zum Beispiel oft Kunden, die sagen, in jedem Meeting oder in jedem Verkaufsgespräch oder in jeder Beratung kommen diese drei Fragen. Und die sind dann schon, sag ich mal, es leid, immer das Gleiche zu erklären. Da sage ich ja gut, aber das ist ja schon eine Goldmine, zu sagen, okay, jetzt machen wir, das scheinen drei Probleme, drei Fragen zu sein, die die Zielgruppe so bewegen, das ist, oder das alle in dieser Zielgruppe, die Fragen so bewegen, das sind immer Fragen in jeder Beratung. Und dass man dann hingeht und sagt, okay, dann nehmen wir diese drei Themen und machen Content genau dafür. Weil dann hat man zum einen, muss nicht immer wieder erklären, weil die Kunden, die auf einen zukommen, im Optimalfall schon mal in Kontakt mit dem Content gekommen sind und sich die Frage dadurch schon beantwortet wurde. Und zum anderen fühlen sich die Leute auch gleich abgeholt. Also wenn man auf die Webseite geht von irgendeiner Firma und man hat schon drei Fragen im Kopf, die einen zu dem Thema interessiert oder zu irgendeiner Fragestellung interessiert. Und man kriegt schon durch den Content schon die Antworten darauf und dann geht man auf eine andere Webseite von der Konkurrenz und da kriegt man die Antworten nicht. Dann wäre es zumindest bei mir so, dass ich sagen würde, gehe ich eher zu dem Anbieter, der mir die Fragen direkt beantwortet hat, wie zu jemandem, der mich erstmal die Fragen dann wieder stellen muss und wie das dann bei dem läuft und wäre immer. Also ich glaube, da ist ein ganz mächtiges Tool einfach zuzuhören und dann Content genau um diese Painpoints dann anzusprechen zu generieren.
Natascha:
Ja, wir haben hier manchmal so ein bisschen noch dieses Paradox, dass wir auch viel im Vertrieb von sehr komplexen Produkten, unsere Kunden unterstützen. Und dann bekommen wir ganz oft die Antwort, das können wir gar nicht pauschal auf der Webseite beantworten, das geht gar nicht. Und auch das, also das mag ja stimmen, gerade wenn das sehr individuelle Produkte sind, aber auch das ist ja eine Antwort. Also klarzustellen, wie setzt sich dann zum Beispiel der Preis zusammen, welche Fragen muss man klären, bevor diese Frage konkret beantwortbar wird. Das heißt auch, im Endeffekt diese Information bereitzustellen, ist schon der erste Schritt zur Beantwortung der Frage und damit hilfreich und immer noch mehr wert als nur zu sagen, können wir nicht sagen. Das heißt auch so ein bisschen, da der Mut unvollständig zu sein, auch wenn sich das so ein bisschen anfühlt, das gibt immer noch mehr Richtung für den Endkunden als halt gar keine. Und was natürlich auch wichtig ist und das interessiert mich gerne bei dir, was sind denn so diese Basic-USPs, die die Leute immer wieder nennen, die man aber eigentlich vergessen darf, weil sie nicht nennenswert sind? Also was läuft dir da immer wieder über den Weg?
Lukas:
Ich würde noch zum einen Punkt, ergänzen, den du gerade gemeint hattest, wenn man sagt, man kann es nicht pauschal beantworten, dass es eigentlich auch wieder ein Indiz dazu oder sage ich mal eine Vorlage dafür ist, einfach noch mehr Content zu machen, wenn man dann nicht sagt, ich rede jetzt schwammig über ein Thema, sondern dass man sagt, ich gehe dann gezielt in Themen rein, also sagen wir mal, man hat irgendeine Dienstleistung für Handwerker, die man denen vertreibt oder ein Produkt oder so. Und dass man dann für den Maler ist der Anwendungsfall ein bisschen anders, wie für den Maurer oder so, aber die können beide das Produkt benutzen, dass man dann Content macht, speziell für den Maler und dann nochmal Content, speziell für den Maurer und sofort hat man eine riesige Palette an Content und an Content-Ideen, die man umsetzen kann.
Natascha:
Ja, und wenn wir das dann direkt wieder ins Paid übertragen, um das noch zu ergänzen, dann haben wir ja schon krassen Zielgruppen-Content, den wir auch entsprechend der Zielgruppe natürlich ausspielen können und der funktioniert immer besser wie generischer Content, das ist einfach fast Gesetz.
Lukas:
Aber zu den USPs, was ich finde immer witzig, gerade so in der Radiowerbung oder so, kommen diese Sachen immer noch so ein bisschen verstärkter, weil ich glaube, da sind so ein bisschen die konservativeren Unternehmen häufig unterwegs, die dann noch so bei lokalen Radiosendern oder so Werbung machen, was auch sein Platz hat, aber jetzt nicht unbedingt meine Welt, wo ich mich gerne bewege, aber so Sachen wie gute Beratung oder so was. Wenn dann so im Clip kommt oder so im Spot kommt, bei uns sind Sie gut beraten oder so, oder wir nehmen uns Zeit für Sie, dann nehmen wir so, ja, das erwarte ich, wenn ich irgendwo was kaufen möchte, dass ich eine gute Beratung bekomme. Also es sind so USPs, wo ich mir jedes mal denk so, da könnte man ein bisschen nischiger reingehen oder mal so was Besonderes machen und nicht das Gleiche erzählen wie alle anderen, weil so sticht man im Prinzip raus, wenn man mal was anders macht, gerade Marketing. Hast du so ein paar Phrasen, die du immer hörst, wo du denkst, so kann ich nicht mehr hören?
Natascha:
Ich liebe ja auch Qualität als USP tatsächlich, das ist halt auch super ausgelutscht. Also es macht natürlich da Sinn, wo zum Beispiel Qualitätsprobleme innerhalb einer Branche gibt oder innerhalb eines Produktes oder wo tatsächlich es eine sehr, sehr breite Range an Qualität gibt. Im Standardgeschäft sage ich jetzt mal, ist aber Qualität auch eher so ein Wohlfühl-USP, der eigentlich nichts sagt, weil ich erwarte ja natürlich, wenn ich irgendwo was kaufe, eine Qualität. Und ich glaube, wir dürfen auch so den Endverbrauchern, so viel geistige Wachheit zugestehen, dass wenn sie halt das billigste Produkt kaufen, dass das halt auch automatisch nicht das mit der höchsten Qualität ist. Gleichzeitig ist ja aber auch nicht immer das teuerste Produkt mit der höchsten Qualität, es ist oft einfach nur das mit dem besten Marketing. Also auch da, daran merkt man, dass halt Qualität eigentlich so, ja, also das ist nicht definiert, niemand kann dir sagen, okay, was macht jetzt diese Qualität so richtig aus? Deswegen ist das für mich etwas, was einfach noch genauer definiert werden muss, wenn man mit Qualität werben möchte.
Lukas:
Ja, dass man da, sag ich mal, nischig reingeht, finde ich eigentlich auch einen ganz guten Ansatz. Und dann zwar sagen kann, okay, wir haben eine gute Qualität, aber dann spezifisch auch irgendwelche Sachen. Also zum Beispiel, wenn man jetzt irgendwie Maschinenfirma ist und alle anderen Hersteller machen das Getriebe aus Kunststoff oder so, dass man sagen kann, unsere USP ist, wir machen das aus Titanium, weil es irgendwie geiler ist, keine Ahnung. Und dann eine bessere Qualität hat, aber das ist dann spezifiziert und nicht einfach so allgemein. Ja, wir haben eine bessere Qualität als andere Leute.
Natascha:
Ja, und da geht es ja auch darum, den Kunden gegenüber Transparenz herzustellen. Also ich war gerade gedanklich, genau wie du bei den Materialien, und habe so an Kleidung gedacht. Und natürlich macht es einen riesigen Unterschied, ob jetzt ein Kleidungsstück aus Synthetik oder vielleicht aus Merino-Wolle ist. Also da merke ich ja auch im Tragekomfort, ja den großen Unterschied. Wenn jetzt aber der Hersteller nur sagen würde, beste Qualität, der halt vielleicht die Merino-Woll-Pullis herstellt, dann hätte ich gar keine Vorstellung davon, was der Unterschied ist. Also es geht ja auch darum, diese Unterschiede greifbar zu machen und dann auch bei den Kunden wieder irgendwie Emotionen zu wecken. Also keine Ahnung, dann eher, ich bleibe bei dem Beispiel, und mach’s ein bisschen plakativ, kuschelweiche Merino-Wolle statt kratzendes Polyester oder so. Das ist jetzt sehr, sehr, plakativ, aber daran wird ja deutlich, was fühlt sich direkt im Kopf auch schöner an?
Lukas:
Ja, voll. Das merke ich ganz oft so, diese Emotionen bei der Zielgruppe auslösen, ist so ein Punkt, den viele, die ihr Handwerk, also jetzt nicht nur mit dem Handwerk, sondern allgemein Selbstständige oder Firmen, die einfach eine gute Arbeit machen, immer vergessen, dass man irgendwo im Marketing diese Emotionen bei der Zielgruppe auslösen muss. Weil man kann die beste Qualität haben, man kann die beste Beratung haben, wenn man nicht so diesen Funken bei den Kunden überspringen lässt, dann hilft das alles nix. Und dass man eher die USPs auf diese Emotionen fokussiert und dadurch dann eher die richtige Zielgruppe anspricht.
Natascha:
Ich meine, man kann sich da ja auch überlegen, was ist jetzt in meinem Produkt mehr das Feature und was ist der Nutzen des Features und dann immer mehr im Nutzen kommunizieren. Also das wäre jetzt ein Ansatzpunkt, wenn man das wirklich in die Praxis übertragen möchte, zum Beispiel bei Software, ganz, ganz häufigen Themen in der Vermarktung. Dann heißt es okay, irgendwie, keine Ahnung, du kannst hier Rechnungen buchen oder was auch immer, das ist ja aber erstmal das Feature. Und der Nutzen ist vielleicht halt, dass du den Prozess optimierst oder dass du Personal entlastest, was auch immer, auch jetzt wieder plakatives Beispiel. Aber so wird dann auch ganz schnell klar mit, was kann ich überhaupt Marketing machen und was ist das Feature, also was ist die Grundlage dafür, die ich vermarkte. Und ich glaube, hier den Unterschied einmal für sich im eigenen Kopf zu sortieren, hilft dann auch wirklich, gute USPs zu formulieren. Angenommen, wir haben jetzt unsere Zielgruppe schon etwas klarer, wir wissen auch, was unsere USPs sind. Wie finde ich denn jetzt den passenden Kommunikationsstil und Kanal für meine Zielgruppe? Wie kriege ich das Ganze auf die Straße, Lukas?
Lukas:
Ja, es ist tatsächlich, was ich ganz häufig habe, dass die Leute sagen, okay, wir wollen jetzt Instagram und dann wollen wir noch auf TikTok sein, dann LinkedIn ist unsere Zielgruppe auch. Wir wollen jetzt jetzt alles machen. Und da ist meistens der bessere Ansatz zu sagen, okay, wir nehmen zuerst mal eine Plattform raus, wo die Zielgruppe wahrscheinlich die höchste Dichte, sag ich mal, hat. Und da im Prinzip sich die Plattform anschaut und sagt, okay, was für Zielgruppen sind da unterwegs? Also das ist schon auf LinkedIn eher so dieser B2B-Bereich. Auf Instagram eher, sag ich mal, so privat, also dann B2C-Geschäft, wenn man, sag ich mal, gerade so die breite Masse ansprechen möchte, TikTok. Man sagt immer so ein bisschen, die jüngeren Leute, aber ich muss sagen, wenn man sich Statistik anschaut, es sind auch, sag ich mal, etwas ältere Leute da, also vielleicht in unserem Alter und älter, ohne und dass wir jetzt Alt sind, aber es sind nicht nur die 13-jährigen Teenies, die da unterwegs sind.
Natascha:
Ich wollte gerade sagen, Lukas, es ist schrecklich, dass du uns ja gerade als alt bezeichnet hast, aber es ist okay.
Lukas:
Ich sag jetzt mal, älter als man bei TikTok erwarten würde. Oder man geht eben die andere Route und sagt, okay, man geht Richtung YouTube, wo auch wieder eine breite Masse ist. Also ich habe da Kunden, die Leute, sag ich mal, zwischen 20, 35, 40 ansprechen, aber ich habe auch Kunden, die da, wo die Zielgruppe erst bei 40 anfängt und bis 70 geht. Und die auch sehr aktiv bei YouTube sind. Also dass man sich da so ein bisschen die Statistiken der Plattform anschaut und schaut, okay, wo hat man die größte Überschneidung. Und dann, ganz wichtig, dass man nicht alles auf einmal macht. Und ich sage, okay, wir haben unsere Zielgruppe, die ist relativ jung vielleicht, wir gehen mal auf TikTok und wir machen Instagram. Und auch so ein YouTube-Channel wäre auch noch gut, sondern dass man sagt, okay, wir konzentrieren uns auf eine Plattform, wo wir den Content speziell für diese Plattform machen. Und dass man dann guckt, okay, wie kann man mit den anderen noch ergänzen? Also dass man die anderen, sag ich mal, erst mal so ein bisschen hinten anstellt und auch mit bespielt, aber den ersten Content, den man erstellt, erst mal speziell für eine Plattform. Und dann kann man später, wenn dann gut funktioniert, kann man immer noch ein bisschen ausbauen, vielleicht, wenn man dann mehr Ressourcen hat. Aber gerade am Anfang, wo Ressourcen vielleicht ein bisschen begrenzt sind und man erst mal so ein bisschen ausprobieren möchte, eine Plattform konzentrieren und dann später, sag ich mal, weiter ausbauen.
Natascha:
Da geht es ja auch direkt schon so ein bisschen in das Thema KPIs rein, was wir sicherlich in der späteren Folge mal besprechen. Ich fand jetzt dein Hinweis aber super, dass man halt erstmal wirklich eine Plattform zum Laufen bringt und sich nicht direkt verzettelt. Weil das ist tatsächlich auch einer der großen Fehler, die wir häufig beobachten, dass dann heißt, okay, wir müssen jetzt sofort alles machen. Und das aber ohne Erfahrungswerte, da geht auch extrem viel Ressourcen einfach verloren. Also es ist einfach ein cooler Weg, den du da gerade auch angeteasert hast, erstmal Erfahrungswerte in einem Kanal aufzubauen und dann die immer immer und weiter auf andere Kanäle zu übertragen und zu schauen, funktioniert das da genauso. Also im Endeffekt immer irgendwelche Arbeitshypothesen bilden und dann damit Experimente auf dem Kanal, den man schon hat und aber auch auf neuen Kanälen zu machen und so nach und nach zu verstehen, wie funktioniert das denn für uns, weil es gibt ja, soweit ich weiß, leider noch kein Geheimrezept oder hast du eins?
Lukas:
Geheimrezepte sind immer schwierig. Aber es kann natürlich auch häufig mal passieren, dass man sagt, okay, man geht full in Instagram rein und wenn man die Reels dann hat, dann posten wir sie auch noch auf LinkedIn oder auf TikTok auch mal. Und dann merkt man vielleicht nach drei Monaten, oh, wir hatten eigentlich jetzt gar nicht geplant, dass auf TikTok die Reels oder die Shortform-Content so gut ankommt, aber irgendwie kommt es da besser an wie bei Instagram. Lasst doch mal den Fokus rüberswitchen zu TikTok und dann probieren wir das vielleicht mal wieder ein Vierteljahr. Also es hat ganz viel mit Experimentieren zu tun, weil jeder, sagen wir mal, jede Firma und jede Zielgruppe wieder ein bisschen spezieller ist und jetzt nicht so diese, sage ich mal, den Blueprint gibt, den man auf alles anwenden kann, sondern dass man da auch dann offen ist und sagt, okay, das eine hat jetzt nicht ganz so gut funktioniert. Wir probieren jetzt mal das andere aus und dass man sich so dann, sage ich mal, nach vorne hangelt und guckt, okay, wo finden wir unsere Zielgruppe tatsächlich? Vielleicht gibt es auch irgendwelche Überraschungen, dass man denkt, oh, man ist B2B und müsste eigentlich LinkedIn machen, aber dann kommt es auf Instagram plötzlich super an das Produkt oder der Content, dass man da einfach viel experimentiert. Das ist ganz wichtig.
Natascha:
Okay, heißt wenn … Ja, das ist auf jeden Fall noch ein Thema. Da sprechen wir in der nächsten Folge drüber um dieses, ja, man muss sich tatsächlich ein bisschen was trauen, auch sich und das Produkt zu zeigen. Für diese Folge, ich fasse es nochmal zusammen, wir haben auf jeden Fall das Thema Zielgruppe definieren, USP definieren und dann heißt das Experimentieren mit Fokus, nicht alles ganz, ganz wild durcheinander, sondern wirklich klare Hypothesen, an denen ihr euch dann entlanghangeln könnt, um so rauszufinden, was funktioniert bei euch?
Lukas:
Genau, da würde ich sagen, machen wir den Abschluss, vielen Dank fürs Zuhören, schaut gerne auf Spotify, YouTube oder wo auch immer ihr Podcast hört vorbei, schreibt uns gerne einen Kommentar, gebt uns einen Like und dann bis zur nächsten Folge.
Natascha:
Bis dann.





