Warum du Content machen solltest – auch wenn du dich noch nicht traust

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Content Marketing braucht Mut. Sichtbarkeit verlangt Entscheidung. Kameraangst, Perfektionismus, Zweifel und der Druck, „richtig“ aufzutreten, begleiten viele Selbstständige und kleine Unternehmen. In dieser Folge sprechen wir darüber, wie wir Mut im Marketing aufbauen, wie wir Sichtbarkeit leichter gestalten können und warum authentischer Content oft besser funktioniert als jedes perfekte Video.

Wir tauchen ein in die typischen Denkfehler und kognitiven Verzerrungen, die uns im Content Marketing blockieren: den Spotlight-Effekt, unrealistische Selbstkritik, übertriebene Fehlerwahrnehmung und die ständige Angst, bewertet zu werden. Wir schauen darauf, warum andere viel weniger auf uns achten, als wir glauben – und wie entspannt Marketing wird, wenn wir diesen Druck loslassen.

Wir sprechen darüber, wie Selbstbewusstsein im Marketing entsteht: nicht durch Planung, sondern durch Handlung. Durch Tun. Durch die ersten sichtbaren Schritte – egal, ob das Video perfekt ist oder nicht. Wir gehen auf Beispiele ein, in denen wir Content bewusst unperfekt gelassen haben, und wie genau daraus die besten Reaktionen entstanden sind.

Wir gehen außerdem auf die Herausforderungen ein, die viele Gründer:innen bei der Sichtbarkeit haben: der Start in die Selbstständigkeit, der Wunsch nach mehr Mut, die Unsicherheit vor der Kamera und die Frage, wie man überhaupt beginnt. Wir zeigen, wie man Schritt für Schritt ins Marketing findet, ohne sich zu überfordern – und warum schon kleine Handlungen eine enorme Veränderung auslösen können.

Wenn du Marketing gerade neu denkst, mehr Selbstvertrauen entwickeln willst oder einfach wissen möchtest, wie du endlich sichtbar wirst: Diese Folge ist für dich.

Hosts

Lukas Lehmann

@Forest Stories


Natascha Schindler

@Waldhirsch


Das Transkript der Folge

Lukas:

Ich weiß, es kann ziemlich beängstigend sein, mit Marketing zu starten und sich so nach außen zu präsentieren. Es gibt auch ein paar Techniken, die nicht nur dein Selbstbewusstsein stärken, sondern auch dafür sorgen, dass deine Markenbotschaft besser nach außen getragen wird. Welche Techniken das sind und wie du sie direkt anwenden kannst, klären wir heute in der Folge.

Natascha:

Herzlich willkommen zu Folge 2 bei Waldgeplauder, heute mit einem Herzensthema, nämlich wie viel Mut braucht eigentlich Marketing. Das ist so ein besonderes Thema, was ich sage mal Solo-Selbstständige häufig beschäftigt, weil es ja auch darum geht, dass man irgendwie ja sich doch selbst auch zeigen muss, um erfolgreich die Dienstleistung oder auch das Produkt am Markt zu positionieren. Und Lukas ist da so ein bisschen, nicht ein bisschen, sondern ein bisschen sehr Experte darin. Natürlich dann auch Menschen zu inszenieren, ihnen dabei zu helfen, sich persönlich zu präsentieren. Bevor wir da reingehen, möchte ich dir Lukas aber gerne einmal die Frage stellen, was sind denn so die häufigsten Ausflüchte, die du hörst, warum jemand doch nicht vor die Kamera will oder doch nicht sprechen will vor der Kamera?

Lukas:

Ja, da kommen tatsächlich häufig ähnliche Sachen, weil man plötzlich jeder kleine Pickel der irgendwo ist, wird plötzlich zum Riesendrama und nee, man kann jetzt nicht vor die Kamera und dies und das und jenes. Oder da ist eh niemandem interessiert, was man so zu sagen hat oder was sollen die anderen Leute denken, wenn man jetzt da plötzlich vor der Kamera macht, dann kommen so Kommentare wie, keine Ahnung, will ich jetzt Influencer werden oder keine Ahnung, dies und das. Und dass so Sachen eigentlich völlig unbegründet sind, und man sich da eigentlich gar nicht drüber machen muss. Das sind so die häufigsten Punkte. Ja.

Natascha:

Das ist ja auch alles, das sind Themen, das sind so kognitive Verzerrungen, die sind ja auch wissenschaftlich extrem gut untersucht. Fun Fact, ich habe ja Kognitionswissenschaften studiert und da ging es ganz, ganz viel um so Themen. Also Klassiker, ja der Spotlight-Effekt, dass wir einfach die ganze Zeit überschätzen, wie viel wir überhaupt wahrgenommen werden und was wahrgenommen wird. Also, keine Ahnung, vielleicht kennt ihr das irgendwie, ihr habt ein was Neues an und fühlt euch ultra nice da drin und denkt, ah, es sieht so richtig fresh aus. Und es fällt allen auf, aber es fällt halt keinem auf oder nur sehr wenigen auf und so stark wie das in die positive Richtung ist, so stark ist es auch in die negative Richtung, also da wo wir uns selber ganz, ganz viel Stress machen, den brauchen wir uns gar nicht machen, weil es schauen eh viel weniger Leute hin, als wir denken. Und ich glaube, so viel merken sich die Leute auch tatsächlich gar nicht über das Gesamtleben hinweg.

Lukas:

Ich habe, das kam mir gerade wieder, es war, es ist schon ewig her, aber ich habe irgendwann eine Serie geschaut, also eine Sendung im Fernsehen und da haben die mal so ein Experiment gemacht, da ist jemand jeden Tag, ein, zwei Wochen lang mit den gleichen Klamotten oder dem gleichen Outfit ins Büro gegangen oder vielleicht auch so eine Woche und danach aber die Kollegen gefragt, ob die irgendwas was gemerkt haben und dann einfach kein Kollege gemerkt, dass die Person die ganze Zeit das Gleiche anhatte und ich glaube da kommt es ganz gut, dass die Leute gar nicht so genau hinschauen, wie man echt denkt. Du hattest im Vorgespräch gemeint, du hast da letztens einen Vortrag gehalten zu genau diesem Thema, willst du uns da nochmal mit reinnehmen, was für einen Vortrag war und was du da so, was so die Key Takeaways waren, die man da so mitnehmen konnte?

Natascha:

Genau, das war ein Vortrag für die Uni Freiburg, die haben ein Gründungsbüro und das Gründungsbüro hat die Aufgabe jungen Studierenden den Weg in die Selbstständigkeit einfacher zu machen bzw. ihnen dafür Mut zu geben und genau darum ging auch der Vortrag. Key Takeaways gab ein paar, einer der wichtigsten ist sicher, dass halt dieses Thema Selbstbewusstsein einfach durch Handlungen entsteht, also ganz, ganz oft gibt es ja so diesen Glaubenssatz, ich muss erst XYZ machen, bevor ich das tun kann, was ich eigentlich tun möchte. Also ein ganz klassisches Beispiel, ich brauche erst die teuren Laufschuhe, bevor ich laufen gehen kann. Ich kann ja aber auch die ersten paar Runs in meinen abgelatschten Sneakers machen, die ich noch irgendwo rumstehen habe, also davon sind ja nicht gleich die Gelenke kaputt, aber ich habe angefangen und das ist jetzt hier ein sehr plakatives Beispiel, was halt wiederum jeder kennt und genau das gleiche Phänomen haben wir aber auch, wenn es halt in die Selbstständigkeit geht. Also dann höre ich zumindest ganz oft so Ausflüchte wie ja okay, aber ich muss erst ins Sprechtraining, ich muss erst noch zum Friseur, du hast es gerade gesagt, ich habe gerade den Pickel, ich kann jetzt nicht vor die Kamera und das ist ja an sich alles …

Lukas:

Man braucht erst die Webseite, bevor man überhaupt arbeiten kann.

Natascha:

Richtig, richtig, ohne Webseite kann ich an keine Kunden rantreten. Also das sind ja so viele Ausflüchte, die ja einfach daherkommen, dass ich selber noch eine Unsicherheit verspüre und ja Teil von dem Workshop war auch eben klarzumachen, dieses Selbstbewusstsein entsteht halt erst, wenn wir auch handeln und nicht nur wenn wir uns vorstellen zu handeln. Also so ein bisschen der Weg weg von nur Affirmation hin zu Handlung und wer will darf dann auch noch Affirmation machen, aber erst mal steht die Handlung und darauf baut dann halt auch das Selbstvertrauen, das unternehmerische Selbstvertrauen wieder auf. Bevor wir uns Lukas live kennengelernt haben, hatte ich dich ja schon so ein bisschen über Social Media kennenlernen dürfen, weil du eine Zeit lang super aktiv die Dienstleistung der Hochzeitsfotografie auf deinem Instagram-Account beworben hattest und da ja extrem viel Videocontent für produziert hast. Hattest du denn selber auch mit diesen ganzen Gedanken zu kämpfen oder war das für dich so nö? Ich mochte es einfach.

Lukas:

Hatte ich witzigerweise schon. Also Hochzeit ist ja jetzt schon ein bisschen bei mir her, mache ich eigentlich nicht mehr so aktiv, aber damals als ich es noch ein bisschen aktiver gemacht habe, war das schon so, weil ich zum Beispiel auch mit Thema Akne und so zu kämpfen habe, dass ich mir dann schon öfter so gesagt habe, okay, ja heute kann ich jetzt nichts aufnehmen und dies und das und ich hatte dann mal eine Phase, wo ich mir gesagt habe, nee, das lege ich jetzt mal ab. Ich mache jetzt jeden Tag ein Video und da habe ich mich jeden Tag hingehockt und ein Video einfach also ein Reel, ein Shortform-Video, jeden Tag, egal ob ich jetzt beim Edeka auf der, auf dem Parkplatz stand und gewartet habe, einfach ein Video aufgenommen und egal wie es aussieht oder wo ich bin oder wie es klingt oder wie auch immer, sondern das war einfach, das so ein bisschen ausblendet, was die anderen denken oder was die, was andere von einem denken und einfach gemacht und es war einfach, war Riesenerfolg, ich hatte einige Videos die komplett gefloppt sind, aber ich hatte auch einige Videos, die richtig abgegangen sind, die ich aber nie gehabt hätte, wenn ich immer mir diese Gedanken gemacht hätte, sondern einfach, weil ich nicht losgelegt hätte. Genau, von dem her ist es schon so ein Riesenfaktor, wenn man diesen über, diesen, sagen wir mal, über seinen Schatten rüberspringt, dass man da wirklich Erfolge feiern kann.

Natascha:

Du hast ja gerade auch dieses Thema, es war nicht perfekt angesprochen. Ich glaube, das ist auch einer der wichtigsten Punkte, dass wenn wir jetzt ins Marketing gehen, natürlich wollen wir es gut machen, aber dieses Glattgebügelte, dieses alles muss perfekt sein. Ich glaube, da ist halt gerade so dieses ganze Thema KI nochmal spannender, weil KI ja extrem glattgebügelt ist und gleichzeitig sehe ich darin auch eine Chance, dass halt so dieses, wenn es wieder ein bisschen menschelt, dass das irgendwie auch viel schöner anzuschauen ist, viel, viel wertvoller. Deswegen, wie gehst du mit dem Thema Perfektion mit deinen Kunden um? Gibt es da diesen Anspruch?

Lukas:

 

Ich versuche ihn immer auszutreiben, also ich habe es ganz häufig, dass Kunden am Anfang auf mich zukommt und dann merkt man schon, okay, die sind so ein bisschen, die Haare müssen immer ganz perfekt sein und wenn man jetzt nicht frisch beim Friseur war, können wir jetzt das Video aufnehmen und dies und das und dann muss man ein bisschen eintrichtern, dass nicht alles perfekt sein muss. Jetzt gerade eben, wo ich die letzten paar Sätze, die ich gesagt habe, habe ich mir vielleicht auch so ein bisschen verhaspelt zwischendurch und habe mir jetzt auch so im Kopf überlegt, soll man es jetzt nochmal neu aufnehmen oder soll man nicht neu aufnehmen, aber ich glaube, wenn es jetzt genauso lassen, dann macht es das ganze auch wieder ein bisschen sympathisch, wenn man nicht alles so perfekt gesprochen hat. Von dem her, es ist meistens so ein bisschen Arbeit, da hinzukommen und mal zu sagen, wir machen jetzt einfach, auch wenn es nicht perfekt ist, aber es lohnt sich auf jeden Fall und ich denke, das kann man auch ganz gut übertragen, was wir jetzt auch diesen Podcast machen, weil wir hatten ja drüber gesprochen, dass ihr jetzt zum Beispiel nicht ganz so viel Content macht, wie ihr vielleicht eigentlich machen solltet, aber jetzt auch in den letzten Monaten ziemlich viel losgelegt habt und ich habe auch bei euch auf LinkedIn, also bei deiner Agentur sage ich, wenn ich jetzt von euch spreche, dass ihr deutlich mehr macht und auch so aus eurem Alltag zeigt und irgendwie, ich glaube, ihr habt so ein, wenn ich es richtig weiß, so ein Sommer-Recap-Ding gemacht, wo jeder aus dem Team so ein bisschen gezeigt hat, was ihr so im Sommer gemacht haben und so im Urlaub oder du warst da Fahrradfahren oder wie auch immer. Ich glaube, diese Komponente, dass man dann mal so ein verschwitztes Bild beim Fahrradfahren oder so mit einbringt oder so, macht schon so ein Riesen, also wie du das schon sagst, macht einfach menschlich und dann auch einfach ein bisschen sympathisch. Habt ihr das so ein bisschen, habt ihr da Feedback bekommen, so eure, ich nenn jetzt mal eure Kampagne, die ihr so die letzten Wochen gemacht habt?

Natascha:

Ja, es ist tatsächlich super spannend, weil ich hatte ja schon mal auf LinkedIn eine Zeit lang mehr gepostet und das waren halt, das war reiner Fach-Content, super nischiges SEO-Fachwissen, was heißt super nischig, also es war immer noch so, dass man es auch als Beginner verstehen konnte, aber es war halt wirklich nur explizit SEO-Fachwissen. Und da war die Reichweite so, oh ja, okay, weiß nicht, ob sich das jetzt lohnt. Vor allem tatsächlich war ja auch der Aufwand, um das zu erstellen und so zu erklären, dass es fachlich korrekt ist, aber verständlich viel, viel höher als jetzt halt mal so aus dem Agenturalltag zu berichten, weil der passiert sowieso und auch der private Alltag passiert sowieso. Und wenn ich jetzt die Reichweiten vergleich, die besten Postings, die wir haben, das sind Postings, wo es tatsächlich drum geht, okay, was schaffen wir privat und was schaffen wir als Team? Also zum Beispiel, was extrem viel Reichweite generiert hat, war eben dieser Fahrrad-Post, was auch extrem viel Reichweite generiert hat, war wo Aileen und ich das Bild vom Notar gepostet haben, wie wir die Firma gekauft haben. Also da geht es wirklich auch mehr darum, der Gefühl, dass die emotionalen Themen viel, viel besser funktionieren als die reinen Fachthemen. Was ich gerade noch spannend fand, was du gesagt hast, war mit diesem Versprecher, den du überlegt hast, ob du das nochmal neu sprichst, weil das ist so ein cooles Beispiel und im Endeffekt hast du genau schon beschrieben, was auch hier wieder wissenschaftlich untersucht ist, der Pratfall-Effekt und der besagt nämlich, dass kleine Fehler Menschen sympathischer machen und es wird auch tatsächlich im Marketing viel, viel genutzt. Also es gibt ein cooles Beispiel dafür von einer Audioplattform Fantasy heißen die und ihre einzig und erfolgreichste Instagram-Kampagne ist einfach nur, wo sie sagen, oh nein, unser Gratislink war kaputt, deswegen verlosen wir jetzt 30 Jahresabos. Ja, surprise, diesen Gratislink, den gab es halt nie, also ist meine Behauptung, aber ich bin mir ziemlich sicher. Aber das ist halt dann so süß und so nahbar, dass denen halt im Marketing so ein Fauxpas passiert, auf den sie dann halt eigentlich ihr ganzes Marketing stützen und das wirkt extrem sympathisch da halt auch so offen und ehrlich mit umzugehen und genau das hast du jetzt auch gerade im Podcast gemacht und ich fände es ja super spannend von den Zuhörern, von dir zu hören, wie sowas dann tatsächlich auch ankommt und erfahrungsgemäß ist, einfach so hast du ein paar Sympathiepunkte klargemacht und mehr ist halt auch nicht passiert. Also es ist ja nichts Schlimmes.

Lukas:

Ja und es kann man auch in den Content eigentlich mal ganz gut einbauen, sag ich mal dann auch so bewusst auch mal ein paar Fehler und paar, sag ich mal, weirde Sachen zu machen oder so ein paar Eigenheiten in Videos einzubauen. Also wenn wir jetzt zum Beispiel keine Ahnung, man hat so einen Tick, dass man jeden Tag 20 Kaffee trinkt oder so, Kaffees trinkt, und wenn man das so ein bisschen, diese Persönlichkeit mit in den Content, mit einbaut, dann wird man da auch so ein bisschen bekannt für und zieht dadurch auch wieder Leute an, die sich damit auch identifizieren können, die auch vielleicht 20 Kaffees trinken und dadurch ist man dann einfach sympathischer denen gegenüber. Jetzt wird der eine oder andere vielleicht sagen, ich will es gar nicht in die Welt rausposaunen, dass ich 20 Kaffees am Tag trinke, weil was sollen die Leute von mir denken, dass ich irgendwie so kaffeeabhängig bin, sag ich mal. Hast du da so eine Einschätzung für die Zuhörer und Zuhörerinnen, wo es dann vielleicht auch mal zu viel wird oder ob es zu viel werden kann, wenn man zu viel unprofessionell wirkt, sag ich mal, oder zu viele von diesen Fehlern mit einbaut?

Natascha:

Also meine Empfehlung ist immer erst mal, zu viel schaffst du nicht? Also, weil unsere Hemmschwelle ist ja schon relativ hoch, sage ich jetzt mal, irgendwie ja so seltsam zu sein oder unsere Ticks zu zeigen, weil wir lernen ja quasi von, wie wir sozialisiert sind, okay, man verhält sich halt so und so und alles, was dem entgegensteht, fühlt sich ja erst mal auch für uns selber komisch an. Natürlich sinkt diese Hemmschwelle, desto öfter man sich weird verhält und desto eher man merkt, da passiert ja gar nichts, außer dass die Leute eigentlich sehr positiv drauf reagieren. Natürlich gibt es aber klare Grenzen, also keine Ahnung, solltest jetzt vielleicht nicht Leute beschimpfen, wenn du irgendwie im B2B-Bereich bist, ne, im B2C ist das schon auch wieder was, was bei vielen Leuten funktioniert, also keine Ahnung, wenn wir uns das Marketing von Dr. Oetker anschauen, also da ging ja auch mal irgendein Kommentar, viral, wo irgendjemand auf den ihre Schokoladenpizza geschimpft hat und ich weiß gar nicht, darf ich das im Podcast sagen, musst du es sonst auspiepsen. Schmeckt nach Hurensohn hat einer geschrieben als Kommentar und Dr. Oetker schreibt zurück, hast du dir wohl in den Finger gebissen? Also das ist halt, ja ich meine wo ist die Grenze, ab wann ist unprofessionell und im Endeffekt in dem Kontext, das ging ultra viral, das war gutes Marketing, das war humorvoll, da hätte natürlich, bin ich mir sehr, sehr sicher, der eine oder andere Mittelständler unseriös geschrien und sicher haben sich auch ein paar Leute darüber aufgeregt, dass jetzt eine Brand plötzlich so kommuniziert. Gleichzeitig die Zielgruppe, also die Leute, die dann halt in den Laden gehen und sich diese Schokoladenpizza kaufen, die ja an sich schon ein Joke ist, also zumindest in meiner Weltwahrnehmung, die fanden das halt ultra lustig. Das heißt, ich glaube gar nicht, dass es so eine krasse Trennung zwischen unprofessionell und menschlich unperfekt gibt und zum Beispiel gleiches gilt für Schreibfehler oder sowas, das passiert halt jeden Mal und der Umgang …

Lukas:

Hatte ich gestern erst wieder eine Story, habe ich nach fünfmal angucken, habe ich es gemerkt, dann dachte ich komm, jetzt egal.

Natascha:

Und der Umgang mit einem Fehler, der entscheidet halt, ist es professionell oder nicht? Also wenn ich dann irgendwie, keine Ahnung, Beispiel ich halt einen Vortrag merke auf meinen Folien, da ist ein Rechtschreibfehler, dann kann ich natürlich da vorne stehen und anfangen zu fluchen oder ich sage einfach, ah und das Wort schreibt man eigentlich so und mach weiter, dann ist es ja nicht unprofessionell, sondern ja einfach halt ein Fehler und das war es.

Lukas:

Ja voll. Und da kann man eigentlich auch gut mit spielen, muss mal ein bisschen abwägen, was für eine Marke man ist. Also ich sage mal, wenn jetzt jemand von Porsche zuhört im Marketing, sie sollten vielleicht nicht so Aussagen treffen wie Dr. Oetker, da kommt, das stößt wahrscheinlich nicht so gut auf, aber es gibt zum Beispiel auch Beispiele so wie Ryanair zum Beispiel, die Fluggesellschaft, die sage ich mal, ja etwas, also sagen mal sehr günstige Flüge anbietet oder Service vielleicht auch ein bisschen darunter leidet oder Verspätungen an der Tagesordnung stehen und die spielen auch ganz bewusst damit, dass sie dann auch TikToks machen oder auch auf Instagram und so, wo sie mit diesen Stereotypen und Vorurteilen spielen und die hervorheben, was dann wieder sympathisch macht. Also die sagen dann nicht so, ah nee, wir sind auch gar nicht unpünktlich und wie auch immer, alles Schmarrn, was ihr sagt. Sondern die sagen dann, ja wir sind unpünktlich, ist halt so, die anderen sind pünktlich, wir sind unpünktlich, da sind wir halt billig oder so nach dem Motto und das machts dann wieder sympathisch und zieht dann auch nicht die Zielgruppe an, die normalerweise Lufthansa fliegt, aber muss auch gar nicht, sondern es ist dann eher die Zielgruppe, die halt für, keine Ahnung, 20 Euro nach Mallorca fliegen möchte und die findets dann eher witzig und geht dann eher zu dieser, eher zu Ryanair, wie zu Lufthansa, wo sie dann nicht, wo sie dann 200 Euro für den gleichen Flug zahlen müssen oder so.

Natascha:

Ja und das schlägt auch zwei Fliegen mit einer Klappe, weil es ist zum einen schlaues Marketing und es ist zum anderen aber auch schlaues Erwartungsmanagement, weil im Endeffekt ist das Produktversprechen schon, es gehört dazu, dass wir unpünktlich sind und dass du es bei uns richtig unbequem hast für genau eineinhalb Stunden und dafür ist es billig. Genau, das heißt, es räumt schon quasi dieses, ah vielleicht beschwer ich mich danach aus, weil das Produktversprechen sagt schon, es wird schlecht, aber billig und das ist so schön ehrlich, dass es dann auch schon wieder eigentlich fast zum, so sagen wir schon, fast kultiviert ist, das zu genießen, das ist so ein bisschen wie Trash-TV schauen gefühlt, also dann weißt du okay, ich gehe Ryanair fliegen und es wird halt einfach, waah.

Lukas:

Nicht, dass jetzt jemand bei Ryanair zuhört und uns noch verklagt für Rufmord.

Natascha:

Nein, ich rezitiere nur, ich rezitiere nur.

Lukas:

Sehr gut, wir haben also festgelegt, es ist besser einfach mal anzufangen, wie alles perfekt zu machen und nie anzufangen. Es braucht einen gewissen Mut, aber wenn man erstmal diese Schwelle überschritten hat, dann hat man, sag ich mal, steht dem Erfolg nichts im Wege und wenn der Erfolg vielleicht nicht unbedingt kommt, dann kann man immer noch so ein bisschen nachjustieren und sich neu ausrichten und vielleicht noch ein Keypoint so zum Abschluss, Instagram hat so ein tolles Feature, das heißt Test-Reels, das heißt Reels werden Menschen nicht angezeigt, die einem folgen, also man kann einfach mal alles machen, was man machen möchte und Leute, die einen kennen, sehen es nicht, sondern es wird nur fremden Leuten ausgespielt, sag ich mal. Und das vielleicht so als letzter Takeaway, wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr was machen sollt oder nicht, einfach mal als Test-Reel bei Instagram reinstellen, vielleicht geht es viral, vielleicht auch nicht, aber es sehen auf jeden Fall keine Leute, wo ihr euch dann nachher denken müsst, oh was sollen sie jetzt von mir denken, sondern es sind nur fremde Leute, denen es wahrscheinlich relativ egal ist, was sie über euch denken und es ist wie dieser eine Schritt in diesen Start reinzugehen, als sich die ganze Zeit Gedanken zu machen.

Natascha:

Gibt es das auch für private Accounts oder ist das nur für Business?

Lukas:

Jeder öffentliche Account müsste das haben, also auch jeder private öffentliche Account sollte das haben.

Natascha:

Okay, das ist ein sehr cooles Feature, ich kannte das noch nicht und ich verpflichte mich hiermit heute noch einen Test-Reel hochzuladen.

Lukas:

Sehr gut, dann haben wir schon mal bei dir das erste Doing for Podcast erzeugt. Ich hoffe, ihr Zuhörer und Zuhörerinnen startet genauso wie in Natascha jetzt und dann würde ich sagen bis zur nächsten Folge.

Natascha:

Bis dann.

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